
Der deutsche Frachter "Johanna" rammte auf der Ostsee vermutlich eine Stütze einer Hubinsel. Foto: Frank Behling
Rätsel um das Loch in der „Johanna“ gelöst
Neustadt – Das Rätsel um ein Loch im Frachter „Johanna“ ist gelöst. Der deutsche Containerfrachter war in der Nacht auf den 19. Dezember zwischen Fehmarn und der Kadetrinne von einem bislang unbekannten Gegenstand getroffen worden. Dabei entstand im Vorschiff der „Johanna“ ein kreisrundes Loch, das sich wie ein Schusskanal durch den Bug bis zum Oberdeck verläuft. Zunächst war aufgrund der Art der Beschädigung auch über einen Treffer durch ein Geschoss spekuliert worden. Ein Beschuss mit Munition durch die Marine konnte schnell ausgeschlossen werden, da weder Munitionsreste noch Brandspuren an den Löchern der „Johanna“ festgestellt wurden.
Der zur Stader Reederei Vöge gehörende Frachter wurde anschließend im schwedischen Karlskrona untersucht und setzte dann ihre Fahrt mit dem notdürftig abgedichteten Loch im Bug nach Finnland fort. Die Schäden sollen Anfang Januar in Kiel bei der Lindenau Werft beseitigt werden.
Beamte der Bundespolizei See aus Neustadt gingen an die Suche nach der Ursache und kamen schließlich auf einen ganz zivilen Grund. Die Auswertung von Funkgesprächen und Radarbildern der Verkehrszentrale Warnemünde führte auf die Spur eines Schleppzuges.
Dabei konzentrierten sich die Ermittlungen schnell auf eine Hubinsel, wie sie als Arbeitsplattform bei der Gaspipeline und für Windparks verwendet wird. Diese Hubinsel war in derselben Nacht in dem Seegebiet bei Gedser mit einem Schlepper unterwegs. Dabei hatte die Schlepper-Besatzung Probleme mit einem der vier Beine gemeldet, das sich in dem Sturm gelöst hatte und schließlich auch verlorenging. Das 26 Meter lange Bein hatte die Form eines Stahlrohres und könnte nach dem Verlust von der Plattform noch einige Zeit schräg im Wasser gestanden haben, da es mit Luft gefüllt ist. Dabei kam es dann zu der Kollision mit der „Johanna“, die kurz nach der Hubinsel das Revier bei Gedser passierte. Auf dem Radar war die nur wenige Meter aus dem Wasser ragende Stahlstütze vermutlich nicht zu erkennen. Die weiteren Untersuchungen in dem Fall müssen jetzt britische Behörden übernehmen, da die „Johanna“ unter der Flagge Großbritanniens fährt.
Quelle: Frank Behling | kn | 28.12.2011
19:05 Uhr
aktualisiert: 08:31 Uhr