Verfasst von: heinzney | Januar 2, 2012

Stahlstützen – Theorie ist ein Witz

Der Bug ist ein besonders beanspruchter Teil des Schiffes, da er als erster mit jedem Hindernis in Kontakt kommt. Natürlich wird er deshalb speziell für diese Beanspruchung konstruiert und verstärkt. Es wird dort wirklich eine Menge Stahlplatten verbaut. Wie soll eine Stahlstütze, die kein Gegenlager im Wasser hat, in einem so extrem flachen Winkel durch diesen Bug und das Vordeck stoßen und ohne stecken zu bleiben verschwinden? Die Behauptung von “Experten”, die von einer Arbeitsplattform verlorene Stütze habe das Loch verursacht, ist, in meinen Augen, ein Witz.

Ein dänischer Schlepper schiebt die Barge „Aarself Jack 3“ vor sich her. Auf ihrem Weg nach Kopenhagen verlor die Plattform im Sturm eine der vier aufgerichteten Stahlstützen. Foto: marinetraffic.com

Ich habe solche Plattform im Sassnitzer Hafen liegen sehen und kann mit Gewissheit sagen, dass die vier circa 50 Meter hohen Stützen aufgrund der einrastenden Sicherungen nicht verloren gehen können – und bei einem Hurrican, der in der Ostsee nicht so häufig vorkommt, wäre der Schleppverband nicht ausgelaufen. Schon auf dem ersten Foto konnte man erkennen, dass die Ränder an der Eintrittsöffnung nach innen gebogen waren. Als aktiver Sportschütze würde ich sagen: ein glatter Durchschuss.

Gerd Marnitz, per E-Mail in der Ostsee-Zeitung vom 31.12.2011

Schlimmer geht es nicht!

Ein Stahlrohr von 36m länge löst sich aus der Verankerung und rauscht auf den Meeresgrund um dann durch eine aufgewühlte See, horizontal!, den Bug eines Schiffes zu durchbohren und ist danach wieder, nachdem es natürlich Schaden genommen hat, wahrscheinlich wieder auf den Meeresgrund gesunken und wurde nie wieder gesehen?

Laut Tabellenbuch wiegt z.B. ein Rohr mit 610 mm Dm und 12,5 mm Wandstärke, 184 Kg/m. Bei einer Länge von 36 m kommt ein Gewicht von 6624 Kg heraus. Meine Frage an erfahrene Seeleute, kann eine aufgewühlte See 6,6 Tonnen Stahl aus 20 m Tiefe, noch dazu von 36 m länge, am Meeresgrund überhaupt bewegen?

schreibt Klaus-Dieter Reinfeldt aus Stralsund (OZ, 30.12.11)

In dem Zusammenhang noch eine Erinnerung (Bericht in den LN vom 12.10.2010):

Ruf nach Lotsenpflicht für Kadetrinne

Nach den jüngsten Schiffshavarien werden Forderungen nach einem umfassenden Sicherheitskonzept für den Seeverkehr durch die Ostsee lauter. SPD und CDU kündigten für die Landtagssitzung am Mittwoch einen Antrag zur Einführung einer generellen Lotsenpflicht für die Kadetrinne an. Die Schiffspassage nördlich von Rostock gilt als eine der am meisten befahrenen Routen weltweit. Bis zu 200 Schiffe pro Tag werden dort registriert. «Auch mit dem Bau des neuen Erdgashafens im polnischen Swinemünde wird der Schiffsverkehr in der Ostsee noch weiter zunehmen», sagte der FDP- Abgeordnete Gino Leonhard.


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