Verfasst von: Heinz Ney | Februar 24, 2020

Strassenfunde und was sie uns erzählen

In Königsberg/Kaliningrad ist Sergej Oleksenko durch die Strassen gezogen und hat Interessantes gesehen, so das hübsche Pflaster in der Maraunenhofer Herzog-Albrecht-Strasse – ein sehr schönes Motiv. Darüber hinaus waren seine Augen (und der Fotoapparat) auf Kanaldeckel/Gullideckel/Abwasserabdeckungen gerichtet.

Was man da so alles lesen kann!

Beim folgenden Lese-„Spaziergang“ durch Königsberg kann der geneigte Leser so einiges sehen und verstehen.

     

So z. Bsp. ein „R“ für Reinigungs-/Abwasserbrunnen

Der rechte Kanaldeckel wurde im Königsberger ODIN-WERK, der Maschinenfabrik und Gießerei GmbH hergestellt.

Ein „H“ für Hydrant.

Das „KW“ steht für Königsberger Waggonfabrik.

Die“ Waggonfabrik L. Steinfurt A.-G.“ wurde von Benjamin Leopold Steinfurt (* 1804 in Königsberg i. Pr.; † 1864 ebenda) gegründet.

Steinfurt besuchte die Löbenichtsche Stadtschule und die Gewerbeakademie Berlin. 1830 gründete er in Königsberger Badergasse eine Maschinenfabrik, die er 1843 auf den Weidendamm verlegte.

 

Steinfurt war später der Gründer der Waggonfabrik L. Steinfurt AG, die später nach Ratshof verlegt wurde. Der Unternehmer war übrigens auch maßgeblich beteiligt am Zustandekommen der ersten Gewerbeausstellung 1845 in Königsberg.

1831 heiratete er Amalie Wulff. Die Tochter aus dieser Ehe heiratete den Ingenieur Fritz H. Heumann, der das Werk weiterführte. 1871 trat Heumann als persönlich haftender Gesellschafter und alleiniger Geschäftsführer in die Firma ein, zunächst aufgrund eines zehnjährigen Vertrags, der später um fünf Jahre verlängert wird [Robert Albinus].

Franz Mosenthin Leipzig-Eutritzsch: http://manholecovers.de/blogroll

1864 wurde die Firma „Franz Mosenthin Eisenbaufabrik und Eisengießerei“ in der Nähe der heutigen Mörickestraße in Leipzig-Eutritzsch als Gießerei und Maschinenfabrik gegründet. Damals war Eutritzsch noch ein Leipziger Ratsdorf. Leipzig hatte zwar schon 1381 die Grund- und Gerichtsherrschaft über Eutritzsch erworben, das Dorf aber erst 1890 eingemeindet. Man beachte übrigens die abweichende Schreibung »Eutritsch« ohne »z« auf dem Kanaldeckel.
1913 zog die Firma in den neu errichteten Firmensitz in der Zschortauer Straße. An dem Standort ist die Firma, die zwischenzeitlich als „VEB Montan“ fungierte, noch heute anzutreffen.

Die Windschild & Langelott AG war ein Bauunternehmen, das auch mit Kanal-, Talsperren- und Eisenbahnbau beschäftigt war. Die Firma hatte Niederlassungen in ganz Deutschland, zum Beispiel auch in Dresden-Cossebaude, wo seit 1889 eine Zementwarenfabrik betrieben wurde.

Paul Behrendt (1860-1933) war Stadtrat, Mitbegründer der Sparkasse und der städtischen Gasanstalt und ein hoch angesehener Bürger in Pasewalk. Auch als Besitzer einer Eisengießerei, die unter anderem Gullydeckel herstellte und zu besten Zeiten 200 Menschen beschäftigte, wurde Paul Behrendt geachtet. Noch heute erinnern Gullydeckel in Pasewalk, Berlin, Stettin oder Demmin mit der Aufschrift „H. Behrendt Pasewalk“ an den ehemaligen Fabrikanten, wobei das H. für Hirsch, den Vater von Paul und Begründer des Betriebes, steht.

Behrendt wurde 1860 in Pasewalk geboren. Er übernahm später die väterliche Eisengießerei und Maschinenfabrik und produzierte landwirtschaftliche Maschinen, Geräte und verschiedene Graugussteile, die in ganz Deutschland verkauft wurden. Nach dem Machtantritt Hitlers 1933 gingen die Aufträge für sein Unternehmen zurück. Da er Jude war, wurden ihm Kredite verweigert. 1934 musste die Fabrik schließen. Behrendt zog daraufhin mit seiner Familie nach Berlin, wo er 1939 starb. Seine Frau und eine Tochter wurden von den Nationalsozialisten umgebracht. aus: http://www.land-und-leute-ev.de/landundleute/Projekte/ortejuedGeschichte/Orte_pasewalk.htm

Pasewalk, auf die erfolgreiche Tätigkeit des jüdischen Unternehmers H. Behrendt, der im Auftrag der Stadt die Kanalisation der Gemeinde ausrüstete, weisen heute noch einige Gullydeckel im Stadtzentrum hin. Mehr darüber: http://www.deckelschau.de/ von Kristian Marten.

K“ für Kanalisation

Von der BAMAG Berlin, also der Berlin-Anhaltischen Maschinenbau-AG ist der nachfolgende Kanaldeckel.

Weitere interessante Aufnahmen hat Alexander Winter bei seinen Gängen durch die Stadt mitgebracht; die Fa. L. Steinfurt „kennen“ wir ja schon …

AW Steinfurt a

… aber wer kann etwas zur Fa. F. Faltin ausführen …

AW Faltin a

Fest Rößel

… oder zur  Fa. Fest in Rößel?

Und was bedeutet „M“? Wer kennt die Antwort?

M

Ein „grosses“ Thema, es gibt ein Vielfaches von Gullideckel dieser Art, in Königsberg aber nicht nur dort. Im Zuge von Städtesanierungen werden sie jedoch immer seltener und vermutlich irgendwann ganz verschwunden sein. Und damit ein Stück Geschichte.


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